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Das Bindungshormon Prolaktin und das Liebeshormon Oxytocin
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Das Bindungshormon Prolaktin und das Liebeshormon Oxytocin sind mitsamt der glücklich machenden Endorphine auch für das »seelische Löschprogramm« sofort nach der Niederkunft verantwortlich.

Pressen oder schneiden?
In der Bibel steht geschrieben: »Unter Schmerzen sollst du Kinder gebären ...« Viele Frauen wollen sich das durch einen Kaiserschnitt ersparen. Das hat Diskussionen entfacht: Haben diese Babys wirklich einen Nachteil beim Start ins Leben? Machen es sich die Mütter zu einfach?
Von Constanze Löffler
Der 6. 6. 2006 rückt näher - ein Datum, an dem nicht nur in deutschen Standesämtern der Betrieb auf Hochtouren laufen wird. Auch viele Geburtskliniken rechnen für diesen Tag mit ausgebuchten Operationssälen. Wäre das nicht ein schöner Geburtstag fürs Baby? Dank perfekt planbarem Wunschkaiserschnitt steht dem punktgenauen Entbindungs-Timing nichts im Weg.

Klatschgazetten, die über unkomplizierte Kaiserschnittentbindungen von Stars wie Victoria »Posh Spice« Beckham und Claudia Schiffer berichten, haben auch in Deutschland die freiwillige Entbindung per Skalpell (in der Medizinersprache: Sectio caesarea) salonfähig gemacht.
Fast jede dritte Schwangerschaft endet hierzulande auf dem OP-Tisch, ein Viertel davon auf Wunsch der Frau. Der Übergang vom Kaiserschnitt, der tatsächlich einen medizinischen Grund hat, zum reinen Wunschkaiserschnitt ist dabei fließend.

Doch gleichzeitig mit den steigenden Sectio-Zahlen wächst auch die Zahl der Gegner. Mittlerweile stehen einander zwei Fronten gegenüber, die mit Fakten, Vermutungen und Legenden für und gegen den Wunschkaiserschnitt argumentieren.

Die Befürworter loben die kurze und schmerzlose Geburt. Die Scheide bleibe dabei eng und straff: »Save your love channel!« (»Rette deinen Liebeskanal!«) ist ihre Parole. Die Frauen seien im späteren Leben zudem seltener inkontinent. Weil der Geburtstermin Wochen vorher feststeht, lässt sich alles so einrichten, dass der werdende Vater nicht auf Dienstreise ist und das ältere Geschwisterchen rechtzeitig bei der Oma abgegeben werden kann. Nicht zuletzt berge der Kaiserschnitt weniger Risiken fürs Kind und die werdende Mutter.

Die Gegner der »elektiven Sectio« warnen hingegen vor einem verpassten Geburtserlebnis, vor einer geschmälerten Mutter-Kind-Bindung und vor Babys, die bereits durch die Geburt einen psychischen Knacks haben. Kaiserschnittkinder würden sich im weiteren Leben häufiger vor Entscheidungen drücken und seien weniger durchsetzungsfähig. Die Ärztin Katrin Mikolitch, Begründerin des Kaiserschnittnetzwerkes, sagt: »Ein Kaiserschnitt ist eine große Herausforderung für ein Kind.« Der stressige Geburtsvorgang stärke dagegen psychisch und physisch fürs Leben. In manchen Geburtsvorbereitungsbüchern wird Schwangeren bereits vorsorglich eingetrichtert, dass ihnen nach einem Kaiserschnitt ein schweres Trauergefühl nicht erspart bleibe.

Dazwischen stehen verunsicherte Frauen, die Angst haben, ihrem Kind mit einem Kaiserschnitt die gesamte Zukunft zu zerstören - oder von ihrer Umgebung schief angesehen zu werden. »Too posh to push« (»zu fein zum Pressen«) ist in den USA ein geflügeltes Wort.

Medizinisch gesehen kann der Kaiserschnitt vor allem bei einer Steißlage des Kindes hilfreich sein, wenn es sehr groß ist oder Zwillinge ins Haus stehen. Doch sind Ängste vor der Geburt selbst auch schon ein Grund für einen Kaiserschnitt? Schwangere wünschen sich einen Kaiserschnitt in erster Linie aus Angst vor den Schmerzen und dem Kontrollverlust während der Geburt. So kann der Wunschkaiserschnitt als logische Folge einer Gesellschaft gesehen werden, in der sich (fast) alles kontrollieren lässt.

Ärzte wie Karl-Heinz Broer, Chef der Frauenheilkunde einer Kölner Privatklinik, erfüllen diesen Wunsch. Broer hat neben gynäkologischen Routineeingriffen auch den Kaiserschnitt »aus persönlichen Gründen« im Angebot. Seine Klinik entbindet häufig reifere Akademikerinnen. Nicht selten haben die sich bereits einige Jahre wegen eines unerfüllten Kinderwunsches behandeln lassen. »Dann darf bei der Entbindung auf keinen Fall etwas schief gehen.«

Broers Kundinnen sind Frauen wie Sabine Armbruster. Für die 33-Jährige war frühzeitig klar: Ich bekomme mein Kind per Kaiserschnitt. Da ihre erste Tochter nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Po voran lag, gab es dafür sogar einen medizinischen Grund. »Lieber hätte ich Kinder adoptiert, als eine Geburt mitzumachen«, sagt die Verlagsangestellte. Niemand konnte sie von einer Spontangeburt überzeugen: »Kinder ja, Geburt nein.« Woher ihre Ängste rühren, kann sie nicht erklären. Auch Sabines zweite Tochter kam trotz korrekter Lage per Kaiserschnitt zur Welt. Durch die Geburt nach Termin war sichergestellt, dass auch Sabines Mann dabei sein konnte. Der lebt und arbeitet unter der Woche normalerweise 500 Kilometer entfernt.

»Wir Ärzte müssten die Frauen eigentlich noch häufiger sehen und besser kennen, um sie bei ihrer Entscheidung richtig zu unterstützen«, sagt Klaus Vetter, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Denn für die Unsicherheiten und Ängste gibt es bei den Vorsorgeuntersuchungen selten Raum. »Hebamme oder Arzt sollten der Frau helfen, herauszufinden, welcher Weg der richtige für sie ist«, sagt Vetter, »und zwar, ohne die eigenen Interessen ständig im Hinterkopf zu haben.« Zu häufig seien die Hebammen einzig auf die vaginale Geburt ausgerichtet. »Hebammen sind die größten Aushalter von Schmerzen anderer«, findet Vetter.

Hanna Kaminski, eine 42-jährige Unternehmerin, erinnert sich fast fünf Jahre nach ihrer Entbindung an den Geburtsvorbereitungskurs: »Die Hebamme war kategorisch gegen einen Kaiserschnitt. Er würde die Entwicklung meines Sohnes behindern.« Die Sectio sei regelrecht verteufelt worden. Letztlich musste sie doch gemacht werden, weil eine Schwangerschaftsvergiftung drohte. Ängstlich und mit schlechtem Gewissen beobachtete die Wahlschweizerin ihren Sohn zwei Jahre lang, ob er nicht doch einen Schaden davongetragen hätte.

Zwischen ärztlichen Geburtshelfern und Hebammen schwelt seit Jahrzehnten ein Konflikt. War früher die Hebamme der einzige Beistand, so wird sie von der Medizin zunehmend ins Abseits gedrängt. Viele Hebammen kritisieren, dass die Ärzte immer schneller und häufiger zum Messer griffen. Die geburtshilflichen Handgriffe sitzen besonders bei jungen Medizinern nicht mehr, da sie immer weniger Erfahrungen mit der Leitung komplizierter Geburten haben. Dabei sei Geburtshilfe in erster Linie »Geduldshilfe«, sagt Susanne Kortshagen, Vorsitzende des Hebammen Verbandes Hamburg. »Ohne es zu hinterfragen, begeben sich schwangere Frauen hierzulande fast ausschließlich in die Hände von Ärzten - obwohl sie völlig gesund sind.«

Hebammen sehen bei einem Wunsch-Kaiserschnitt nicht nur ihren Berufsstand infrage gestellt, für sie geht dabei auch das Geburtserlebnis verloren: Die Schwangere bringe sich durch den voreiligen Marsch in den OP-Saal um das euphorische Gefühl, von dem spontan G

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