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Wir können nicht 20 Jahre lang das Falsche gemacht haben
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Ein Freund stellte betroffen fest, daß diese Unfähigkeit von gewohnten Mustern und von der Gesellschaft vorgeschriebene, auch wenn offenkundig als falsch erkennbare Haltung wegzukommen, alle Bereiche umfasst, so auch die Diabetikerbehandlung, wie er bei einem zuvor in Dresden stattgefundenen Kongress miterlebte.

Bei Altersdiabetes weiß man, daß Zucker keine relevante Rolle spielt, sondern andere Ursachen wesentlicher sind. Dennoch wird ständig Zucker thematisiert. Eine Ärztin sagte, daß hieße ja, daß wir 20 Jahre lange das Falsche gemacht haben. Das Festhalten an etwas was man 20 Jahre lang gemacht hat war ihr wichtiger als dies zu erkennen und die richtigen Behandlungsschritte zu setzen. Sie würde wahrscheinlich selbst den eigenen Vater, Freund, Mann, Sohn behandeln wie bisher, die Tradition selbst falsch ist stärker, als richtig zu behandeln.

Es zeigte sich jedoch, bei dem Kongress machte man auch ein Zukunftsszenario, in dem die Referenten darüber berichteten, wie sie ihre Vorträge 2017 halten würden. Da stellte sich heraus, vergleichbar zum Kellner im Parkcafe, der als Außenstehender seinen Kommentar abgab, daß dabei alle Vortragenden über alles redeten, nur Zucker kein Thema war.

Der Kellner hätte, wenn er dabei gesessen wäre, genauso wie die beiden jungen Frauen, versucht, sein eigenes Verhalten und seine eigene Beziehungssituation zu rechtfertigen und wäre zu dieser spontanen Äußerung "Pech gehabt" nicht in der Lage gewesen.


Ich will den Woyczek verarschen

Vor ca. 1 Woche waren wir in der Premiere von "Woyczek", was ich einem Professor für Psychiatrie erzählte, der, wie alle anderen, von der geschundenen Kreatur redete.

Völlig ignoriert wurde daß Woyczek, weil er betrogen wurde, nicht der Bessere war, die Mutter seines Kindes umbrachte und dabei völlig ignorant gegenüber dem Schicksal des Kindes war. Somit weitaus verwerflicher agierte als die ganze Gesellschaft, die ihn geschunden hatte.

Es spielten dabei auch Kinder mit. Bedenklich war, daß ein Kind Teil dieser Tötungszenen, zwar nicht aller, war. Bei der Premierenfeier sprachen ich und wiederum derselbe Freund, unabhängig von einander, mit einem dieser Kinder, ein Bub so in etwa 5 bis 6 Jahre alt oder 1-2 Jahre älter, der müde war, aber nicht schlafen durfte, weil die Mutter bei der Premierenfeier dabei sein wollte. Die Möglichkeit sich hinzulegen hat man offensichtlich nicht geboten. Auf das Stück bezogen befragt, waren seine Antworten sehr klar, daß er einmal den Woyczek so spielen will, daß er den Woyczek verarscht.

Ein Kind erkennt völlig klar, daß das ein, wie man heute im Volksmund sagt, "Lutscher" war, und Mitleid mit diesem, der die Mutter seines Kindes, in dem Stück sehr gut beschrieben, als die die aktiv und keineswegs als Opfer mit einem mächtigeren, aber imposanteren Mann schlief, umbrachte, falsch ist und im Gegensatz dazu die Zuschauer, Darsteller, Kritiker in Anbetracht der Tatsache, daß er eine geschundene Kreatur war, diesen Mord an der Frau als ein entschuldenswertes Verhalten nebensächlich abhandelten.

Im Gespräch mit dem den Woyczek spielenden Markowitsch vertrat dieser, daß Büchner Woyczek wertneutral schrieb, 1820 eine Situation 1720. Erstaunlich ist, daß er den Standpunkt vertritt, daß dies wertneutral erfolgte, wenn damit hier ganz bewußt von Büchner Kritik daran geübt wurde, daß wenn die Gesellschaft schindet, dann auch noch die Frau aktiv sich etwas besseres aussucht. Seiner Schilderung nach müßte sich diese für ihren Nachwuchs etwas schlechteres aussuchen, da Mitleid der Frau gegenüber dem Manne eingefordert wird. Die Natur kennt ein derartiges Mitleid einer Frau als Mutter auferlegt nicht einmal in Ansätzen, sondern qualifiziert dies absolut
evolutionsschädlich.


Das Vogelspinnenweibchen

Am selben Sonntag Abend fand eine Lesung des Buches "Das sexuelle Leben der Catherine M.", bis jetzt 1 Mio. Stück in mehreren Sprachen verkauft, von Karin Resetarits, im Beisein von Catherine Millet, samt Dolmetscherin, statt.

Karin Resetarits, die übrigens ausgezeichnet war, hat nach jedem ausgewählten und gelesenen Kapitel die Verfasserin in einer Art gefragt, die zu erkennen gab, daß sie herausfinden wollte, wie eine Frau zu einem befriedigenden Sexualleben kommt. Es wurde erkennbar, daß ähnlich einem der von seinem Körper in der dritten Person spricht, weil er ihn trainiert, Catherine Millet ihre sexuellen Aktivitäten als quasi Außenstehende betrachtete sowie beschrieb und weder bereit noch in der Lage ist, Ratgeber für ein besseres Sexualleben zu sein.

Dann entglitt diese Diskussion an den Rand der Langeweile mit Fragen ob das Buch verfilmt wird, ob Millet Angst habe, daß dies pornografisch werden könnte. Millet tat dies einfach ab, da das nicht ihre Verantwortung sei, sondern die des jeweiligen Regisseurs, Produzenten etc. Karin Resetarits endete diese Lesung statt wie ursprünglich auf der Suche nach der sexuell befriedigten Frau mit dem Hinweis, daß Catherine Millet seit 20 Jahren verheiratet sei, damit das Buch auch Ratgeber dahingehend sein könnte, so wie das Leben von Catherine Millet, was Frau tun müsse, damit der Mann einem nicht davon laufe.

Ich sprach Karin Resetarits nach der Lesung vor dem Theater an. Ich kannte sie von einer Diskussion mit Schlingensief und dem Kulturkritiker der Presse Haider, in sehr kleinem Rahmen.

Ihr Wohlgefallen gegenüber dem unkonventionellen Verhalten des Schlingensief, aber auch für Schlingensief als Mann war damals unübersehbar. Ich erzählte ihr, daß ich ihren Exmann auf dem Flughafen in Madrid angetroffen habe und ihn fragte wie er, er hatte ein Buch über den Erfolg als Hausmann publiziert, nachdem sich das Scheitern seiner Theorien herausgestellt hat, dies sieht. Die Antwort war im Übrigen nicht sehr ergiebig.

Nun, den Sachverhalt, daß Karin Resetarits eigentlich zuerst herausfinden wollte, wie die sexuelle Befriedigung der Frau zu erzielen und dann in dieses überlieferte Muster verfiel, eine Angst davor zu haben, den Mann zu verlieren. Dies war umso bemerkenswerter, da sie meine Bemerkung, sie sei selbstsicherer geworden, damit quittierte
"ich habe ja meinen Ex-Mann hinausgeworfen" und sie erwähnte, den jetzigen Partner trotz mangelnder Befriedigung nur deswegen nicht hinaus zu werfen, nachdem ich
anfügte, daß Frauen die Verpflichtung hätten, nicht entsprechende Männer einfach aus dem Bett zu schmeissen und am besten auch gleich aus der Wohnung, weil nichts besseres nachkäme.

Beim Diskussionsbeitrag, daß es in der Natur kein weibliches Wesen gäbe, das mit einem männlichen Mitleid habe, hat sie eingewandt, daß es bei der Vogelspinne anders wäre. Als ich ihr sagte, daß ich mich mit der Vogelspinne auseinandersetzen werde, erklärte sie das Tier, das das Männchen beim Geschlechtsverkehr auffrißt zu meinen, somit die Gottesanbeterin und nicht die Vogelspinne und daß sie meine Frage daher ebenso wie Catherine Millet mißverstanden habe.

Erstaunlich war auch, daß Catherine Millet selbst ihre abartigsten Sexualpraktiken im Gegensatz zur Befriedigung der Frau durch den Mann als unverzichtbar für die Fortpflanzung erklärte, obwohl sie selbst mittlerweile 53 Jahre alt, trotz dieser Sexualpraktiken kinderlos geblieben war und damit offensichtlich in ihrem Fall dieser Zusammenhang nicht gegeben ist.

Für die Befriedigung der Frau durch den Mann fand sie nur Unverständnis.


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